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Alleingeburt von Lilly

Ihr Lieben,

heute darf ich euch den Geburtsbericht von Lydia Kuntzer und ihrem Blog Ich mag mein Kind vorstellen.

Sie hat ihre Geburt selbstbestimmt und in Eigenregie, also Zuhause und ohne Hilfe von Ärtzen und Hebammen erlebt und möchte uns heute von ihrer Reise erzählen:


Freitag, 22:00 Uhr

Sehr regelmäßige Wehen.

Soll ich das wirklich allein machen?

Welche Alternative habe ich? Der Gedankenkampf. Ping Pong im Kopf.

      

23:00 Uhr

 

Alle schlafen. Es ist leise. Ich kann nicht schlafen. Was soll ich tun? Das Baby muss jetzt irgendwie aus mir raus. Es wird ernst. Aber sowas von ernst. Was soll ich bloß tun? Ich und meine blöden Ideen. Warum muss ich immer alles anders machen als andere? Zweifel. Fragen. Gedankengänge voll Angst. Was wenn, …, Was wenn nicht?

      

Samstag, 2:00 Uhr

 

Die Entscheidung ist gefallen. Ich mache es allein. Egal was kommt.

 

 

 

FREIHEIT! Keine Grenzen. Keine natürliche Sicherheit.

Keine Hebamme. Keine Ärtze.

Auto steht bereit und Notarzt Nummer im Telefon steht ganz oben. Jetzt kann ich schlafen. Mein Mann breitet Folien und Decken im Bad aus und legt alles andere bereit.

      

4:00 – 8:00 Uhr

 

Werde von einer Wehe geweckt. Ich konnte gut schlafen. Bin erholt. Stehe auf. Dusche nicht. Brauch ich jetzt nicht. Ziehe mein pfirsichfarbenes Kleid an. Darin fühle ich mich richtig gut. Laufe durchs Haus. Veratme die Wehen.

      

10:00 Uhr

 

Esse noch ein halbes Brötchen mit Marmelade. Atme alle 10 min Wehen weg. Lehne mich an einen Schrank, dass ist überhaupt nicht angenehm.Möchte alles aufmachen und rauslassen, deshalb gehe ich in die Wanne. Das Wasser tut gut. Es hilft mir locker zu lassen. Bin lange im Wasser.

      

15:00 Uhr

 

Jetzt würde man in Krankenhaus gehen. Meine Gedanken machen was sie wollen. Das wird doch nicht eher morgen Abend.

Die Wehen sind regelmäßig und kurz und tuen überhaupt nicht weh.

Gehe ins Bett.

Da tun die Wehe weh.

 

Gehe wieder ins Bad, auf Klo kann ich am besten loslassen und nach unten Atmen.

Stütze mich am Ball vor mir ab. Versuche mich zu untersuchen. Der Muttermund ist auf, ich weiß aber nicht wieviel.

Der Kopf ist fest.

 

 

18:00 Uhr

 

Gehe wieder ins Wasser.

Untersuche mich wieder. Merke die weiche Fruchtblase.

Das gibt Kraft!!!!

Die Wehen werden stärker.

In der Wanne liegen geht nicht mehr. Schneller atmen wird notwendig. Brauche langsam jede Pause trinken. Mein Mann meint: „komm lieber raus.“ Ja das ist eine gute Idee. Schaffe es gerade noch raus. Lehne mich über den Ball vor der Wanne. Die Fruchtblase kommt immer tiefer. Wie spannend. Das erlebe ich leider erst bei meinem vierten Kind zum ersten mal. Verspüre den Drang zu pressen.

 

 

19:30 Uhr

 

Die Fruchtblase ist ganz unten. Sie hängt richtig raus. Weich. Wehe. Pressen. Sie springt.

Das gibt mir Wärme.

Mut.

Kraft.

Jetzt bin ich voll offen.

Fühle mich irgendwie verwundbar. Ertaste den Kopf. Merke enormen Druck. Presse. Presse. Presse.

Der Kopf ist raus.

Wie soll ich jetzt sitzen, hocken?

Brauche eine Pause.

Der Kopf ist schwer. Meine Beine zittern.

 

 

Wehe kommt. „Schatz, du musste es jetzt auffangen!“ Volle Aufregung.

Es ist so süß. Der kleine Kopf ist ganz blau. Dicke Lippen. Ich seh unser Baby.

 

 

„Mach ein Foto! Ich will das auch sehen!“ (ich hätte nie gedacht, dass ich das je in so einem Moment sagen würde.)

 

„Wie?“ Wehe kommt. Körper flutscht raus. „Ich hab es!“

 

 

Sofort gibt er mir das Baby. Jetzt ist es da. Es ist ein Mädchen.

 

 

 

20:16 Uhr

 

Sie ist da.

Ich hab es geschafft.

Hol die Kinder. Sie dürfen gleich dazukommen. Alle ums Baby. Totale Freude. Total überwältigend. Sie ist so zart.

Wie soll sie heißen? Der Bruder sagt Lilly. Alle sind sich einig. Ja das ist Lilly.

 

Ins Bett kuscheln. Kennenlernen. Lieben.

 

 

21:30 Uhr

 

Jetzt müssen wir uns um die Nabelschnur und Plazenta kümmern. Lilly trinkt. Ich gebe sie meinem Mann. Ok. Jetzt aufstehen. Sie fällt einfach in die Schüssel. Die Plazenta ist draußen.

 

Wow. Es hat geklappt.

Nabelschnur trennen. Mit Bindfaden zwei Enden abwickeln. Trennen. Blut spritzt raus. Boa sieht die genial innen aus. Wir binden sie fest und machen ein Taschentuch drauf.

Geschafft.


Liebe Lydia, ich danke dir von ganzem Herzen, dass du uns hast teilhaben lassen von eurer wunderschönen, sanften Geburtsreise! So darf Geburt sein!

Von Herzen alles Beste für dih und deine Familie!

Pia Mortimer

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