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Die Bindungsanalyse

Als ich in meiner ersten Schwangerschaft von meiner damaligen Therapeutin den Vorschlag bekam, eine Bindungsanalyse mit ihr zu beginnen, rümpfte ich innerlich die Nase. 

 

Ich dachte an eine kalte, arrogante Analyse meiner Beziehungen mit dem Ergebnis: Beziehungsunfähig. 

Ich sah bei diesem Wort den Schreibblock- und die kleine Brille auf Therapeutins Nasenspitze sitzen und fühlte mich bei dem Wort Bindungsanalyse  bereits bloßgestellt. 

 

Dennoch wagte ich den Schritt.

Ich war schließlich so unglaublich gerne schwanger, war so stolz auf die Kraft meines weiblichen Körpers und die Freude auf meiner Tochter wuchs ins Unermässliche. 

 

Wir begannen mit den ersten Bindungsanalyse Stunden, in dem ich es mir auf dem Praxissofa gemütlich  machte und in einen tiefen Entspannungszustand geführt wurde. 

 

Ich nahm Kontakt zu mir, meinem Körper auf, spürte und sah mich selbst von innen in ähnlich feinen Nuancen, wie ich meine Außenwelt wahrnehme. 

 

Ich reiste innerlich in meinen Schoßraum, zu meiner Gebärmutter. Auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt noch sehr wenig Ahnung von der physischen Anatomie meiner weiblichen Organe hatte, erschien in mir ein klares Bild meiner Gebärmutter. 

 

Über die Gebärmutter, konnte ich urplötzlich auch mein Baby sehen.

 

Da war sie. Präsent, wach und mit dem sehnlichsten Wunsch nach der Verbindung, die ich in diesem Moment zu ihr aufnahm. 

 

Sie begrüßte mich mit den Worten: „da bist du ja endlich, meine Mama! Ich habe so auf dich gewartet.“

 

Sie sprach mit mir. Natürlich tat sie es.

 

Ich sah wie klein sie war, in der 14ten Schwangerschaftswoche. Ich sah genau, wo und wie sie in meinem Unterleib lag. 

 

Sie erzählte, wie es ihr ging, wie sie die Welt wahrnahm. Sie erzählte von ihren Ängsten. Die meine waren. Sie spürte meine Welt, meine Ängste, meine Gedanken, als wären es ihre Eigenen. Mein Herz pickte vor Schmerz.

 

Ich erzählte ihr von mir, von meiner Welt, von meinen Ängsten und Gedanken und sagte ihr, dass es meine Ängste sind, die sie spürt und dass sie nichts mit ihr zu tun hatten. 

 

Ab dem Zeitpunkt war klar, dass ich meinem Kind nichts von Sonnenschein erzählen kann, während dunkle Wolken aufziehen. Ich wünschte mir nichts sehnlicher, als ihr zu sagen, dass es Mama immer gut geht. Aber nach dieser ersten, tiefen Verbindung war klar, dass sie alles spürt. Dass durch ihre Adern, meine Welt fließt und ich ihr das größte Geschenk mache, wenn ich ihr vom Leben erzähle. So wie es ist. In mir. 

 

Ich erzählte ihr, dass es im Leben dazu gehört, Angst zu spüren, ebenso wie unendliche Liebe,- wie die, die ich für sie empfand. 

 

Es entstand ein feines Band, von Herz zu Herz. Eine Pipeline die uns Tag und Nacht tief miteinander verband und unseren Grundstein an Bindung und Zusammenhalt legte. 

 

••• ♡ •••

 

Und heute? 

 

Heute ist die Bindungsanalyse ein wunderbarer zentraler Punkt in meiner Arbeit, weil sie so tief und vielschichtig ist.

Viel tiefer und vielschichtiger, als ich es damals vor 3 Jahren erahnen konnte.

 

Was ich selber lernen durfte, gebe ich heute von Herz zu Herz weiter.

Im Laufe meiner Arbeit, haben sich für mich 3 wunderbar schillernde Möglichkeiten gezeigt, die uns die Bindungsanalyse bietet: 

 

Der erste Punkt ist die pränatale Bindung zum Kind: 

mit Hilfe der Bindungsanalyse ist es möglich, dass wir eine tiefe und sehr sensitive Beziehung zu unserem ungeborenen Kind aufnehmen können.

Über die tiefe Entspannung und die Verbindung mit dem eigenen Körper, können wir alle intuitiv wahrnehmen, wie es unserem Kind im Mutterleib geht und was es braucht.

Hier liegt die Möglichkeit einer tiefen Bindung als Grundstein für eine kraftvolle, leuchtende Mutter-Kind-Bindung. 

 

Die eigene Weiblichkeit wahrnehmen. 

Sie ermöglicht uns Frauen eine innere Kontaktaufnahme zu unseren weiblichen Organen. 

Wir können eine liebevolle Beziehung zu unserem Schoßraum aufnehmen und über intuitive Bilder und Gefühle wahrnehmen, was unser weiblicher Körper gerade braucht. 

 

 

• Unser Körper kennt die Wahrheit. 

Wir wissen mittlerweile, dass all unsere Erfahrungen, die wir im Leben gemacht haben, intrazellulär gespeichert werden.

 

Auch wenn wir uns im Tagesbewusstsein an viele Erlebnisse nicht erinnern, weiß unser Körper sehr genau, was wir erlebt haben und wie wir diese Erfahrungen empfunden haben.

 

Durch die feine Kontaktaufnahme mit der Gebärmutter ist es möglich, vergangene Erlebnisse und Verletzungen zu erinnern um sie aufzuarbeiten.

 

Für eine sanfte und selbstbestimmte Geburt, ist es wichtig, dass wir Frauen eine liebevolle Beziehung zu unserem Schoßraum und unserer Weiblichkeit haben.

Hier empfangen, tragen und gebären wir Leben, hier liegt unser Kraftpotenzial, unser Weg zu einer magischen Geburt und einem kraftvollen Leben.

 

Genau deshalb ist es so wichtig, in der Schwangerschaft, altes anzusehen um frei von vergangenem Schmerz, aus eigener Kraft schöpfend zu gebären. 

 

Die Bindungsanalyse bietet also eine Möglichkeiten, mit der wir sowohl Kontakt zu unserem Kind, als auch zu uns selber aufnehmen können. 

 

•••♡•••

 

Fühle dich herzlichst eingeladen, mit meiner Begleitung in deinen weisen Körper zu reisen und damit einen wunderbaren Grundstein für eine kraftvolle Mutterschaft und Familienzeit zu ermöglichen. 

 

Ach übrigens: Ich trage noch keine Brille. Mache keine Notizen. 

Ich sitze da, halte den Raum mit dir und gemeinsam suchen und finden wir all die Kraft, Verbindung und Weisheit zu deinem Körper und deinem Kind. 

 

 

In Liebe, Pia Mortimer

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Kommentare: 4
  • #1

    Sophie (Dienstag, 05 September 2017 10:41)


    Liebe Pia, boah! Es war wunderschön dir zu lauschen ❤

    'Da bist du ja endlich, meine Mama' �

    Sie laden uns so ein, unsere Kleinen! Ich bin froh, dass ich auch in Kontakt kommen konnte.
    Dass ich Vertrauen gelernt habe �

    Danke für deinen tollen Audioblog, fürs Teilen und in die Welt bringen und danke, dass du mich so motiviert und unterstützt hast, mit Oskar in Kontakt zu kommen ❤❤❤❤

    In Liebe
    Sophie

  • #2

    Corinna Albrecht (Dienstag, 05 September 2017 10:42)

    Eine der schönsten Beschreibungen zur Bindungsanalyse! ❤️
    Ich danke dir, liebe Pia....
    Auch ich trage dabei noch keine Brille und mache mir Notizen....�Frauen auf diesem Weg zu begleiten ist für mich immer wieder ein wahrhaft schönes Geschenk, unheimlich wertvoll und so wichtig. Wundervoll, dass auch du diesen Raum mit füllst!!!!! ❤️

    Seite an Seite, von Herz zu Herz....
    deine Corinna�

  • #3

    Marion König (Dienstag, 05 September 2017 11:07)

    Liebe Pia - Du beschreibst wunderschön Deine Erfahrungen als schwangere Mama mit der Bindungsanalyse. Vor allem schilderst Du fein differenziert die vielschichtigen Wirkungen dieser besonderen inneren Arbeit. Ich erlebe Tag für Tag wie "meine Frauen" eine tiefgehende Entwicklung auf ihrer Reise zur und durch die Geburt erleben, wie sie im Kontakt mit ihrer Körperweisheit stark und heil werden und sich selbst ermächtigen. Und ich erlebe die unglaubliche Liebe der Babys zu ihren Mamas, mit welch großer Weisheit sie diese oft zu den Themen führen, die angeschaut und bearbeitet werden wollen. Danke für Deinen berührenden Bericht.

  • #4

    Katharina (Donnerstag, 14 November 2019 09:08)

    Hallo, ich habe die Bindungsanalyse bei meiner 2. Schwangerschaft gemacht und es war wunderschön. Ich habe meine kleine Tochter in der Gebärmutter gesehen, ihr Gesicht, ihr Lächeln, Finger es was unvorstellbar.
    Wenn ich davon erzähle werde ich sehr sparsam angeschaut aber dieses Erlebnis ist einzigartig.