Sandras Geburtsaufarbeitung mit ihrer Tochter

 

Herzlich willkommen zum Erfahrungsbericht, in dem Sandra, eine Leserin meines Blogs, uns über Ihre Erfahrungen erzählt. Sie hat ihre Tochter, mit knapp einanhalb Jahren, die erlebte Geburt nochmals verarbeiten lassen. 

 

Liebe Pia, liebe Blogleser,

vor kurzem habe ich Pias Blogbeitrag zum Thema Geburtsverarbeitung gelesen. Dieser Artikel interessierte mich sehr, da auch ich mich mit dem Thema auseinandersetze.

 

Im Juni 2015 kam meine erste Tochter zur Welt. Wir hatten eine wundervolle und ruhige Schwangerschaft, nach einer längeren Kinderwunschzeit.

Nach 2,5 Jahren hielt ich voller Freude den positiven Test in der Hand.

In der Schwangerschaft habe ich mich so weiblich gefühlt, wie noch nie. So kraftvoll. Ich liebte meinen Körper. Es war ein wundervolles Gefühl.

Ich habe von Anfang an, viel mit dem Kind im Bauch geredet.

 

Dann kam der Entbindungstermin und verstrich. 3 Tage danach ging der Schleimpfropf ab und die Wehen begannen. Nach 31 h Wehen wurde ein Kaiserschnitt gemacht.

Die Umstände im Krankenhaus führten dazu, dass die Geburt und vor allem der Kaiserschnitt für mich sehr traumatisierend war. 

Ich fühlte mich meiner Weiblichkeit, meines Ichs beraubt. Wer war ich?

 

Nach 8 Wochen Schockstarre, in denen ich das ganze Verdrängte, wir viel zu viel Besuch hatten und alle sich freuten, merkte ich nichts von dem Ausmaß und der Aufgabe die noch auf mich zu kam.

Dann entband meine Schwägerin und dies warf mich in ein tiefes Loch. Alles kam wieder hoch. Der Liveticker zu Ihrer Entbindung, riss mir alles unter den Füßen weg.

Da ich nie lange in so einem Zustand verharren kann, suchte ich mir alsbald Hilfe. Ich war bei einer ehrenamtlichen Dame einer Familienbildungsstätte und hatte ein paar Gespräche mit ihr. Danach ging es mir etwas besser und der Alltag holte mich ein. Meine Tochter war da ca 3 Monate alt.

 

Ca 1 Jahr nach der Geburt, machte ich mich aber erneut auf die Suche nach einer Therapeutin und fand eine ganz liebe Dame. Ich war sogar bereit die Therapie selbst zu finanzieren, damit mir geholfen wird.

Die Beziehung und die Bindung zu meiner Tochter gestaltete sich schwierig.

Der Gedanke an eine erneute Geburt trieb mir immer wieder Tränen in die Augen. Auch wenn das Außen dies nicht so merkte.

 

Die ersten Sitzungen mit der Therapeutin befreiten schon sehr viel und es war ein tolles Gefühl für mich. 

Die Therapeutin half nicht nur MIR, die Geburt zu verarbeiten, sondern auch meiner Tochter. Sie war zu dem Anfangszeitpunkt 1 ¼ Jahre alt.

Ich war mit meiner Tochter als Baby beim Osteopathen, da sie schlecht schlief und sich viel überstreckte und weinte, sich aber motorisch trotzdem total schnell entwickelte. Bestimmte Positionen und Berührungen fand sie aber unangenehm.

 

Dann waren wir noch zur Babymassage. Das fand sie mehr als doof und hat kaum mitgemacht oder etwas zugelassen. Erstens war die Umgebung spannender und die Berührungen, gerade am Kopf und Oberkörper, waren ihr unangenehm und sie drehte sich immer wieder weg.

Außerdem wurde sie viel getragen. Was sie sehr genossen hat.

 

Haben wir mit Freunden oder Bekannten über die Geburt geredet wurde sie immer ganz unruhig. Versuchte die Aufmerksamkeit auf andere Dinge zu richten.

 

Bei der Therapie habe ich dann gelernt, dass sie mir so vieles zeigt, ich aber nicht wusste wie ich dieses deuten soll. 

 

Das gerade dieses rausdrehen, eine Art Geburtsverarbeitung ist. Auch Ihre Suche nach Nähe und Enge.

 

Meine Tochter saß gerne in engen Ecken und rollte sich oft irgendwo eng ein. Die Berührung am Kopf und an den Schultern, empfand sie weiterhin als sehr unangenehm.

Irgendwie erschien es mir auf einmal logisch und klar. Sie war ja auch 31 h am kämpfen und kam nicht weiter. 

 

Also was tun? 

Wir haben ihr dann in der Therapie, Raum gegeben, uns zu zeigen, was sie braucht und haben ihr spielerisch die Möglichkeit gegeben, die Enge des Geburtskanals wieder zu erleben, um somit das Erlebte zu verarbeiten. So haben wir ihr angeboten, durch einen Tunnel zu klettern, sofern sie mochte, oder sich durch eine Kiste zu schieben.

Wir haben Sie dabei ermutigt und ihr geholfen.

Bei der Kiste habe ich sie an den Füßen angefasst, damit sie sich durchschieben konnte. Dies tat sie auch, wie während der Geburt.

 

Auch Massage war ein Thema.

Zu Hause habe ich viel Körperwahrnehmung mit ihr gemacht. Ich habe sie nach dem Baden massiert und mich dabei langsam an den Kopf und die Schultern ran getastet. Von mal zu mal wurde die Berührung für sie angenehmer. 

 

Aber nicht nur die körperlichen Tätigkeiten sind Möglichkeiten der Verarbeitung.

Ich habe auch mit ihr über die Geburt geredet. Ganz frei. Mit all meinen Emotionen. Auch, wenn sie zu diesem Zeitpunkt nur wenig reden konnte, hatte ich das Gefühl, dass sie mir manchmal antwortete. 

Am Anfang, war sie immer noch sehr unruhig, wenn das Thema zur Sprache kam, aber mit der Zeit wurde es besser. Inzwischen setzt sie sich sogar dazu und redet mit mir über das erlebte. Das ist für mich auch ganz spannend zu beobachten. 

 

Irgendwann gab es zu Hause ein Erlebnis, welches sicher auch irgendwie zur Verarbeitung dazu gehörte. Sie drückte sich bei mir immer wieder durch die Beine. Ich stand im Flur und sie ist so ca 10 Minuten lang immer wieder durch die Beine gekrabbelt. Die Beine durften auch nur einen kleinen Abstand haben. Sie hat sich richtig durchgedrückt.

 

Inzwischen ist sie viel entspannter und kuschelt auch mal gerne. 

Nun ist es bald soweit, dass unser zweites Kind auf die Welt kommt. Die Geburt ist natürlich hier ein großes Thema, welches auch dafür sorgt, dass ich mit meiner Tochter immer mal wieder drüber spreche.

 

Ich hoffe sehr, dass sich in der Geburtshilfe bald etwas verändert und wünsche jeder Frau alles erdenklich Gute.

 

Liebe Grüße Sandra

 

Liebe Sandra, ich danke dir von Herzen für deinen Mut und empfinde tiefe Bewunderung für euren Weg. Ich wünsche dir von ganzem Herzen, eine kraftvolle Geburt in Verbindung zu dir und deinem Körper! 

Von Herzen, Pia 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Corinna (Dienstag, 08 August 2017 10:08)

    Ich wünsche nun Sandra ein selbstbestimmtes Geburtserlebnis in Harmonie und Frieden!!!!��
    Alles Liebe für dich.�
    Von Herzen, Corinna

  • #2

    Sophie (Dienstag, 08 August 2017 10:09)

    Oh wow! Liebe Sandra, dass ist so so toll, dass du deine Erfahrungen auf diesem schönen Weg mit uns teilst! Alles alles liebe für dich!