· 

Fragen von meinen Bloglesern an mich

Anlässlich der Geburtswoche, die ich auf Facebook organisierte, haben mir viele Frauen persönliche Fragen zu meinen Erfahrungen als Frau, Mutter und Coach geschickt. Ich danke euch von Herzen. 

 

Liebe Pia Mortimer, du arbeitest mit Frauen ab dem Kinderwunsch bis in die Familienzeit. Wie war dein Weg dorthin? 

Liebe Hannah, genau genommen hat mein Weg in diese Richtung begonnen, als ich mit meinem ersten Kind schwanger war. 

Ich habe zunächst nur gespürt, dass sich die gesellschaftlichen Dogmen für mich nicht richtig anfühlten. Ich fühlte mich in meiner Schwangerschaft so weiblich, lebendig und so voller Kraft, dass ich mich fragte, warum ich zur Geburt, dem OP so nah wie möglich sein sollte. Ich fragte mich, warum die Geburt meines Kindes ein medizinischer Ausnahmezustand sein soll!? Ist es tarsächlich so wichtig, unsere Geburtsreise akribisch zu kontrollieren? Spürte ich doch, dass eine Schwangerschaft für mich die größte Einladung zur Natürlichkeit und Selbstbestimmung ist. Ich hinterfragte die standartisierten Kontrollmaßnahmen, beispielsweise die teilweise halbstündigen vaginalen Untersuchungen in Kliniken. Was sollte es mir bringen, dass eine fremde Hand in mein Schoßraum eindringt, und mich die Antwort möglicherweise nur deprimiert? Schließlich hat die vaginale Untersuchung, um bei dem Beispiel zu bleiben, keine medizinische Notwendigkeit, da sie die Geburt weder erleichtert, vorantreibt, noch möglichen Komplikationen vorbeugt. 

Ich fragte mich nach dem Ursprung von Geburt und witterte eine immense weibliche Kraft und Weisheit, die es der Menschheit, schon lange vor den technischen Innovationen, ermöglichte zu leben. Heute, hier und jetzt. 

Es musste also eine Möglichkeit geben, mich mit dieser urweiblichen Kraft zu verbinden und danach begann ich zu suchen.

 

Wie hast du dich auf deine erste Geburt vorbereitet? 

Liebe Vera, 

was für ein Ah-ha Erlebnis, als ich begriff, dass gegen aller gesellschaftlicher Annahme, ICH mein Baby auf diese Welt bringen werde. Kein Arzt, keine Hebamme, kein Dammschnitt und auch kein CTG. 

Ich kann begleitet werden und medizinisch notwendigen Indikationen zustimmen. Aber ICH werde es sein, die ihr Baby gebärt. Ich trage mein Baby unter meinem Herzen, wir sind aufs engste verbunden, warum sollte dann nicht ich auch am besten wissen, was wir für unsere Geburt brauchen?!

In meiner Schwangerschaft meditierte ich viel und lernte, der inneren Weisheit zu lauschen. Ich ebnete den Weg zu einem vertrauensvollen und liebevollen Verhältnis zu meinem Körper, meinem Verbündeten, meinem Partner, mit dem ich Hand in Hand mein Baby bekommen werde. 

 

Zudem habe ich in der Schwangerschaft eine Bindungsanalyse gemacht und habe damit in eine tiefe Verbindung mit meiner Tochter gefunden. Über innere Reisen in meine Gebärmutter, war es mir möglich, Kontakt mit der Seele meiner Tochter aufzunehmen und ihre Ängste und Wünsche wahrzunehmen. Es war anfangs wie ein großer Schock, als ich merkte, wie bewusst meine Tochter in mir lebt und geradezu auf diese Kontaktaufnahme wartete. Ich habe mich im Rahmen dieser Bindungsanalyse zudem sehr stark mit meinen Vorstellungen und Ängsten über die Geburt auseinander gesetzt, die Aufarbeitung meines eigenen Geburtstraumas als Baby, gehörte dazu. 

 

Wie siehst du den Zusammenhang zwischen der eigenen Geburt und der Geburt, unseres Kindes? 

Das ist eine tolle Frage, vielen Dank liebe Mira. Es gibt einen sehr großen Zusammenhang zwischen der Geburt, die wir mit unserer Mutter erleben haben und der, in der wir unser Kind gebären. Durch die Bindungsanalyse in meiner ersten Schwangerschaft wurde mir bewusst, dass auch ich, im Bauch meiner Mutter schon ein lebendig fühlendes Kind war, was schon eine Beziehung zur Mutter und ihrer Welt hatte. Über die Nabelschnur werden Hormone, wie Adrenalin oder Oxytocin von der Mutter an das Baby weiter gegeben. Sobald also die Mutter Stress oder Angst empfindet, fühlt es das Baby im Bauch der Mutter, als wäre es gerade selber in einer akuten Gefahrensituation. Glücklicherweise spüren Babys im Bauch der Mutter ebenso die Momente, wenn diese sich sicher, geborgen und geliebt fühlt.

Diese hormonelle Verbindung besteht selbstverständlich auch unter der Geburt. Wir haben in unserer eigenen Geburt sehr genau mitbekommen, wie es unserer Mutter ging und ihre mögliche Angst vor oder während der Geburt genauso gespürt. 

So machen wir auf unserer Reise ins Leben schon Erfahrungen, die unser Gefühl zur Geburt und zum Start ins Leben auf tiefster Ebene prägen. Im erwachsenen Alltagsbewusstsein, sind diese Erfahrungen für uns nicht abrufbar. Dennoch gibt es in Form von Meditation oder Hypnose die Möglichkeit die Erfahrungen und Gefühle, die wir während der Geburt hatten, wieder zu erleben. 

Wir waren alle im Bauch unserer Mutter und haben somit alle Erfahrungen mit Geburt, ob groß oder klein, Mann oder Frau. 

Unsere Erfahrung von unserer Geburt, wird in dem Moment der Geburt unseres Kindes unbewusst wachgerufen und beeinflusst unseren Geburtsprozess vorallem dann, wenn wir eigene, negative Geburtserlebnisse nicht aufgearbeitet haben. Das gilt natürlich für die Mutter aber selbstverständlich auch für alle Begleiter auf der Geburtsreise von Mutter und Kind. Unbewusste und dadurch ungelöste traumatische Erfahrungen, werden durch die Geburtssituation und Atmosphäre getriggert.

Für mich war es eine der größten Geschenke, mein Geburtstrauma heilen zu lassen, bevor ich meine Tochter zur Welt brachte.

 

Beeinflussen Medikamente, die ich während der Geburt bekomme, den Geburtsverlauf auch auf negativer Seite? 

Danke für die Frage, Sali. Eine natürliche Geburt, in der sich die Mutter geborgen, geschützt und begleitet fühlt und zudem in guter Verbindung zu sich und ihrem Kind steht, kann in den allermeisten Fällen komplett auf äußere Eingriffe verzichten! Ich bezweifle, dass es irgendeinen positiven Effekt hat, Frauen in der Klinik teilweise halbstündig vaginal zu untersuchen oder ihr Medikamente zu verabreichen, die verhindern, dass der  Geburtsprozess im eigenen Tempo ablaufen kann. 

Ich bin der festen Überzeugung und habe zudem selbst erlebt, dass wir Frauen Meisterinnen der Geburt sind! Wir tragen ein Jahrhunderte altes und sehr weises Wissen in uns, welches sich unter der Geburt entfalten kann. Wenn wir den Zugang zu uns haben und liebevoll auf unseren Körper und unsere Seele lauschen, sind wir zu viel mehr im Stande, als jede Technik es können wird! 

 

Wie stellst du dir eine optimale Geburt vor? 

Tolle Frage, danke Flora! 

Ich bin überzeugt davon, dass wir Frauen alle Kraft und alles Wissen in uns tragen, was wir für eine selbestbestimmte, kraftvolle Geburt brauchen. Das aller wichtigste und gleichzeitig aller schwerste, ist eine tiefe Verbindung zum eigenen Körper und zur eigenen Seele. Durch verschiedenste Mechanismen und Ereignisse, ist uns häufig der Zugang zu uns verloren gegangen. 

Wir Frauen tragen jedoch ein jahrhunderte altes Wissen in uns, zudem wir Zugang bekommen, wenn wir uns wieder mit uns selbst verbinden. 

 

Der zweite Punkt ist natürlich die Selbstbestimmung. Wie möchtest du gebären? Was brauchst du, um dich in einem sicheren Rahmen ganz fallen zu lassen? Wie und wo kannst du dich am besten deinen intuitiven Körperempfindungen hingeben und Vertrauen in deinen Körper und dein Baby haben? 

Die Zeit der Schwangerschaft lädt sehr dazu ein, sich deiner inneren Welt, deinen Glaubenssätzen und Ängste bewusst zu werden. 

Welches Bild hast du von Geburt? Welche Ängste trägst du in dir, die dich und deinen Geburtsprozess auf negative Weise beeinflussen können? 

Wie stellst DU dir deine Wunschgeburt vor? 

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Geburt, ist ein weiterer, sehr wichtiger Punkt, über den sich jede werdende Mutter bewusst werden sollte, damit der Weg frei für eine selbstbestimmte und transformierende Geburt geebnet ist. 

Der vierte und letzte Punkt ist zudem sehr wichtig: die Verbindung zu deinem Kind. 

Wir können bereits in der Schwangerschaft eine tiefe Beziehung zu unserem Kind aufnehmen, die uns durch die Geburt begleitet und eine wunderbare Basis für eine innige Mutter-Kind-Beziehung darstellt. 

 

Wir Frauen, wir sind geboren, um zu gebären! 

 

 Ich würde gerne wissen, was ihr nach eurer Hausgeburt mit der Plazenta gemacht habt!

Oh ja, gute Frage, liebe Sophie.

Wir haben unseren Sohn erst Tage nach der Geburt abgenabelt. 
Die Planzenta beginnt sich während der ersten Tage nach der Befruchtung zu bilden. Während der Einnistung verwächst der Embryo zeitweise mit der Gebärmutterschleimhaut. Das Planzentagewebe entsteht an genau diesem Zeitpunkt, besteht daher also zum Teil aus mütterlichem, wie auch aus embryobalen Zellen.
Worauf ich hinaus möchte ist, dass die Planzenta somit ein Teil von unserem Baby ist, mit der es die Zeit im Mutterleib verbracht hat. Es fühlte sich für uns aus diesem Grunde falsch an, die Nabelschnur zu durchtrennen und unseren Sohn damit von seiner Plazneta zu trennen.
Wir salzten die Plazenta täglich, sodass sie kein Geruch abnahm und konnten dieses Mysterium aus Gewebe und einer Menge blutversorgenden Gefäßen aus nächster Nähe betrachten. Der einzigen, die bei jeder Begegnung die Nase rümpfte und nach ihren Aufwachen im Familienbett erstmal fragte, wo die Plazenta gerade sei, war Mina, unsere Tochter :).

Letztlich haben wir die Nabelschnur so lange intakt gelassen, bis es für den kleinen schmerzhaft wurde. Sie Nabelschnur war relativ kurz und wurde über die Tage immer unbeweglicher. Bei jeder Bewegung begann die Spannung durch die Nabelschnur auf den Nauchnabel dem kleinen Schmerz zu bereiten, weshalb wir uns dann für die Abnabelung entschieden. Wenn auch du dich für das Thema interessierst, wirst du unter dem Begriff der Lotusgeburt Informationen zur Pflege und Philosophie dahinter finden. 

 

 

Ich danke euch Frauen von ganzem Herzen für diese tollen Fragen, die ihr mir im Zusammenhang mit der Geburtswoche geschickt habt. Von Herzen, Pia 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0